Was Mattering für Führungskräfte bedeutet?
„Kein Empfang – Warum Mattering das wahre 5G fürs Miteinander ist?“
Viele Führungskräfte glauben, ihre Leute fühlen sich wertgeschätzt – so wie sie glauben, dass das WLAN stabil läuft. Bis jemand leise sagt: „Ich glaube, wir sind offline.“
Mattering – das Gefühl, relevant zu sein und eine gewisse Bedeutung zu haben – oder noch besser: gesehen und erkannt zu werden – ist wie ein unsichtbares WLAN-Signal. Man sieht es nicht, man kann es nicht anfassen, aber wenn es fehlt, merkt man es sofort: Alles läuft zäh, Verbindungen reißen ab, Informationen kommen verzögert an. Und irgendwann sucht man sich eben einen anderen Hotspot.
Was „Mattering“ wirklich bedeutet?
Mich hat das Buch von David Brooks – „How to Know a Person“ sehr nachdenklich gestimmt. Gelingt uns im Business Alltag die Kunst, Menschen so zu sehen, dass sie sich wirklich gesehen fühlen. Mattering bedeutet genau das: die Gewissheit, nicht nur eine Funktion zu erfüllen („Du bist der mit der Excel-Tabelle“), sondern als Mensch zu zählen. Harvard Business Manager formuliert es pragmatisch: Wertschätzung ist kein nettes Extra, sondern einer der stärksten Treiber für Bindung, Engagement und Resilienz – der psychologische Airbag in Krisenzeiten. Eigentlich wissen wir das alles.
Mein Eindruck ist, dass angesichts der gewaltigen Herausforderungen, vor denen Unternehmen und Führungskräfte aktuell stehen, naturgemäß der Fokus enger wird. Überleben wir das nächste Quartal? Wie bekommen wir mehr Planungssicherheit wegen der Zölle? Wie bringe ich die KI-Transformation endlich auf Schiene? Wie manage ich notwendige Restrukturierungen? Das sind die drängenden Fragen. Da soll nun auch noch Zeit und emotionale Kraft für andere bleiben? Und ich soll Menschen auch noch tief erfassen? Keine Energie dafür.
Warum es oft nicht klappt?
Typische Stolperfallen, die ich beobachte …
Selbstfokus: Wir nehmen an, dass die anderen schon wissen, dass sie wichtig sind – wie bei einem Passwort, das wir nie laut sagen, weil wir denken: „Kennen die doch.“
Zeitdruck: Zahlen gehen vor Menschen. Tiefe Wertschätzung taucht im Quartalsbericht eben nicht als KPI auf.
Organisationskultur: In manchen Firmen gilt Nähe als unprofessionell. Mattering wird in die Schublade „Soft Stuff“ gesteckt. Und gerade jetzt geht es vielerorts ruppiger in der Kommunikation vor.
Angst vor Weichheit: Bloß nicht zu freundlich wirken – sonst bröckelt die Autorität.
Diminisher vs. Illuminator: Brooks unterscheidet zwei Typen – Diminisher verkleinern andere – bewusst oder unbewusst, indem sie Gespräche an sich reißen, Leistungen relativieren oder nur auf Fehler schauen. Illuminators dagegen sind wie WLAN-Verstärker: Sie verstärken die Verbindung, indem sie echt zuhören, Stärken benennen, sich an Details erinnern. Sie sorgen dafür, dass Menschen spüren: „Ich bin hier nicht nur eingeloggt – ich bin verbunden.“
Wie wir das Signal stärken:
- Radars anstellen: Im Gespräch bewusst prüfen: rede ich gerade mehr über meine Leistung oder die des anderen? Wer ist mein Kollege, Mitarbeiterin oder auch Chef wirklich jenseits der zahlreichen Persönlichkeitstests und meinen Vorurteilen?
- Anerkennungs-Architektur hinterfragen: Jedes Unternehmen oder Team hat eine Hierarchie der Anerkennung: Was wird als relevant und wertschätzungsfähig erachtet? Dies hat kulturelle Gründe. Gehen Sie dem auf den Grund, ob damit nicht immer nur das- oder dieselben gesehen werden.
- SLANT – Methode einsetzen: Sit (sitzen), Lean (nach vorne lehnen), Ask (nachfragen), Nod (nicken), Track (dranbleiben) – wie Oprah, die mit kleinen Reaktionen wie „Oh!“ oder „Aha!“ eine starke Präsenz schafft.“
- Explizit sein: Vertiefende Wertschätzung, die nicht ausgesprochen wird, existiert nicht. Konkret machen, was man schätzt – Verhalten, Haltung, Wirkung. Menschen merken, wenn Floskeln statt Feedback zum Einsatz kommen oder ob Echtheit und Anliegen spürbar sind.
- Mattering systemisch verankern: Nicht nur in informellen Gesprächen, sondern in Feedbackrunden, Meetings und Entscheidungen verlässlich sichtbar machen.
- Mikro-Momente nutzen: Die stärksten Signale sind oft klein – ein echtes Nachfragen, ein Satz, der hängen bleibt, ein anerkennender Blick.
- „Ich sehe dich“- Gespräche: Dabei bietet David Brooks folgende Ideen an: Achten sie auf den Tonfall, indem gesprochen wird (zuversichtlich, gekränkt, bedauernd), fragen Sie sich: Worum geht es hier wirklich?
Was mir bei diesem Thema wichtig ist:
Mattering ist kein Feelgood-Add-on. Es ist die unsichtbare Infrastruktur, die Zusammenarbeit erst möglich macht. Auch dann, wenn es keine Gehaltserhöhungen gibt, oder es eng wird. Ohne Verbindung bricht Kommunikation zusammen, entstehen Missverständnisse, sinkt Engagement.
Und wie beim WLAN gilt: Wenn das Signal stark ist, merkt man es kaum – aber wenn es schwach ist, spricht plötzlich jeder darüber.


