Offboarding: Und Tschüss… oder alles Gute für Ihre Zukunft?

Offboarding

Jeder kennt das aus dem Urlaub: Der letzte Eindruck ist der stärkste. Darf man etwas länger das Zimmer nutzen oder wird die Check-out-Time beinhart ohne Pardon exekutiert? Gibt es beim Verlassen des Hotels eine persönliche Verabschiedung und vielleicht sogar gratis einen Apfel und ein Mineralwasser für die Heimreise? Wenn ja, verlässt man den Urlaubsort mit einem guten Gefühl und dem Entschluss, bald wieder zukommen. Leider gilt diese Dominanz des letzten Eindrucks nicht nur für den Urlaub, sondern auch für den Arbeitsplatz – und das ist oftmals ein tragischer Zusammenhang. 

Denn nirgends zeigt sich die Unternehmenskultur deutlicher als bei der Trennung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: 

Sie ist der Realitätscheck für die Werteversprechen, die Unternehmen auf ihrer Homepage und den Social-Media-Kanälen und mit ihrer neuen Employerbranding Kampagne geben. Leider bestehen ihn die wenigstens. Aber das muss nicht sein. 

Selten heißt es alles Gute für ihre Zukunft! 

Ein CEO hat uns in einem Gespräch einmal gesagt: „Die Qualität von Führungskräften erkennt man an ihrer Bereitschaft, unangenehme Gespräche zu führen.“ An dieser Analyse ist einiges dran. Unausgesprochene Erwartungen, unter den Teppich gekehrte Konflikte und schriftliche, kommentarlose Kündigungen zeugen von diesem Vermeidungsverhalten.

Das Problem dabei: Nichts spiegelt die Unternehmenskultur schonungsloser wider als der Umgang mit Mitarbeitenden, die man freisetzen muss, möchte oder die Freiwillig gehen. Konkret geht es um den Exit in der Employee Journey. Dabei geht es weniger um den Umstand der Trennung selbst als um das „Wie“ der Durchführung. Denn genau in dieser Situation zeigt sich, ob Werte wie Wertschätzung, Respekt, Passion, Weiterentwicklung wirklich gelebt werden – oder doch nur eine folgenlose Absichtserklärung sind. Was Worte und Versprechen wert sind, zeigt sich im Sturm am offenen Meer, nicht bei Sonne im Hafen. 

Wunsch vs Wirklichkeit 

Wer hier einwendet, dass – im Gegensatz zum Hotelier – kein Interesse an der Rückkehr des gerade verabschiedeten Mitarbeiters besteht, denkt zu kurz. Wie Trennungen ablaufen, wie vergangene Leistungen gewürdigt werden, das wird von den bleibenden Mitarbeitenden genauestens beobachtet – ist es doch ein Stress-Test für die Unternehmenskultur und das Führungspersonal. Es macht jedem Einzelnen deutlich, was auch ihn erwarten könnte und die die bleiben können aufgrund von Lücken in der zugrunde liegenden Arbeitskultur hinter den Erwartungen zurückbleiben. 

Unsere Beobachtung in vielen Unternehmen ist – in unangenehmen Situationen fallen Menschen wie auch Organisationen in ihre bewährten Stressmuster zurück. Und die heißen oftmals Rückzug, Vermeiden, Abschotten oder aggressives Vorpreschen – beides in Problemsituationen nicht besonders förderlich. Was allgemein unterschätzt wird: Diese Reaktionsmuster, welche sich in konkreten Verhalten zeigen, prägen die DNA eines Unternehmens, ja sie fressen sich tief hinein, werden zur impliziten Gewissheit einer Organisation; unausgesprochen, aber wahr. Und so tritt die kuriose Situation ein, dass das Offboarding sich auf das Onboarding auswirkt und somit alle wesentlichen Touch Points im Employee Lifecycle sehr eng miteinander verbunden sind. 

Live lässt sich das gerade im Silicon Valley beobachten. Die bis gestern coolsten Unternehmen der Welt – Amazon, Meta, Alphabet und andere Ikonen des Tech- Zeitalters – entlassen in Summe zehntausende Beschäftigte. Und das Vielfach von Führungskräften, die in einer Zeit grenzenlosen Wachstums sozialisiert worden sind. Wie diese Führungskräfte in dieser ungewohnten Situation agieren, wird die Unternehmen stärker prägen als die nächste Produkt-Innovation. Halt schade, dass sich Empathie, Achtsamkeit und echte Wertschätzung nicht als App herunterladen lassen. Mit einem floskelhaften „Alles Gute für die Zukunft“ ist es jedenfalls nicht getan. 

Es lohnt sich daher, da es diese APP noch nicht gibt, genau den Blick darauf zu werfen, wie unsere Werte mit dem tatsächlichen Verhalten und Verhältnissen einhergehen. 

Im Detail:

  • … wie Austrittsgespräche geführt werden, 
  • … welche emotionalen Rituale, neben den technischen Details zum Abschied geschaffen werden, 
  • … wie transparent der Austritt gehalten wird
  • … wie entschieden wird wer geht
  • … wie mit Mitarbeiterinnen nach der Kündigung umgegangen wird und … wie über ehemalige Kolleginnen gesprochen wird. 

Nicht zu vergessen ist, wie es mit ehemaligen Mitarbeiterinnen weitergeht. Bleibt man lediglich in Kontakt mit jenen die einem ans Herz gewachsen sind oder wird gezielt eine Community aufgebaut, die es schafft Ehemalige wiederzugewinnen. Oftmals ist es nur der Wunsch Neues zu erkunden, den Horizont zu erweitern, Erfahrungen zu sammeln oder doch nur zu merken, dass es woanders gar nicht so viel besser ist. Ein Culture Habit unter vielen der ihre Unternehmenskultur beeinflusst. 

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