CULTURE TALKS: HANDLER entwickelt die Ziele mit den Mitarbeitenden
Die Handler Gruppe ist ein familiengeführtes Traditionsunternehmen der Bau- und Immobilienbranche in der 5. Generation. In dieser eher konservativen Branche gelang es der Unternehmensgruppe, sich mit einem visionären Ansatz zu etablieren. HANDLER setzt Trends auf diesem Arbeitsmarkt und verbessert damit seine Zukunftsfähigkeit.
Unsere Gründerin Nicole Rimser interviewte Mag. Barbara Riegler, die CFO der Handler Holding. Die Juristin und Betriebswirtschaftlerin managt nicht nur Zahlen und Recht, sondern sucht ständig nach Ideen, um die Organisation weiterzuentwickeln.
Schon in ihren jugendlichen Jahren lernte „Babsi“ Riegler die Unternehmenskultur HANDLERs kennen, jedes Jahr als Praktikantin in den Sommermonaten. Nach beruflichen Stationen in einer führenden österreichischen Wirtschaftskanzlei, bei Magna International und der Europäischen Kommission kehrte sie dann 2016 zu HANDLER zurück, mit nur 27 Jahren – als eine der jüngsten weiblichen CFO der Branche.
Seitdem hat sie im interdisziplinärten Führungsteam der Gruppe viel bewegt: Die Handler Gruppe ist wendig aufgestellt und wurde mit ihrer 4-Tage-Woche zum Trendsetter ihrer Branche.
Barbara, welche Rolle spielen Werte in der Handler Holding?
„Wir haben gemerkt, dass die Belegschaft Werte braucht, dass sie diese spüren will. Alle sehnen sich nach Klarheit und Orientierung.“
Wir sind zum Beispiel auch Gesellschafterin und Mitglied der Smart Construction Austria, einem Zusammenschluss mehrerer Bauunternehmen zur gemeinsamen Forschung und Entwicklung. Auch dort arbeiten wir an diesen Themen.
Was wir jedoch nicht tun, ist fix Ziele nur von oben vorzugeben. Diese werden gemeinsam entwickelt, in kurzen Freigabesessions bestätigt und dann ausgerollt. Dafür haben wir immer unsere Vision im Blick.
Wie geht HANDLER mit den aktuellen Herausforderungen in der Bauwirtschaft um?
Was unternimmt HANDLER, um diese Probleme zu lösen?
Wir orientieren uns immer an gemeinsam erarbeiteten Leuchttürmen für das aktuelle Jahr, die wir auf Basis unserer Vision entwicklen. Zusammengefasst ist uns aktuell wichtig:
-
Reduktion und Transparenz: Wir haben für das nächste Wirtschaftsjahr bewusst einen etwas reduzierten Umsatz geplant, Fixkosten eingespart, viele Kleinigkeiten angepasst. Gleichzeitig bemühen wir uns, in allen Belangen offen und transparent zu kommunizieren. Im monatlichen Newsflash für unsere Mitarbeitenden werden zum Beispiel Neuaufträge, gewonnene Ausschreibungen, Jahresplanung und Einsparungen kommuniziert.
- Optimieren unserer Produktivität: Jede Abteilung entwickelt dazu Maßnahmen, passend zu übergeordneten Zielen und heruntergebrochen in Quartalszielen. Diese werden festgeschrieben und die Erreichung wird von jeder Abteilung laufend gemessen. Werden diese nicht erfüllt, gibt es entsprechende Konsequenzen.
- Perspektivenwechsel: Unser Management rückt näher an alle handelnden Personen ran, die mit der Kundschaft agieren. Durch Austausch entsteht Offenheit und daraus leiten sich neue Lösungswege ab. Es gestalten sich neue Gepflogenheiten – diese sind für die Branchenkultur untypisch, die im Umgangston eine sehr harte ist, etwa bei Baubesprechungen und Verhandlungen von Nachträgen.
An welchen Stellen macht sich Eure Kulturtransformation bemerkbar?
Wir haben erkannt: Wenn eine Herausforderung – wie die aktuelle Konjunktur – sich von außen nähert, rücken wir im Inneren noch weiter zusammen! Die jetzige Marktsituation meistern wir, indem wir eine bessere Messbarkeit der Produktivität bei unseren Projekten schaffen. Das beschleunigt unser Tun – und Erfolge werden für uns alle spürbar.
„Das Relevante und Spannendste für mich ist hinzugehen, hinzuhören und zu verstehen: Was beschäftigt die Menschen wirklich?“
Auch in der Führungsarbeit setzen wir an. So erhielten die Mitarbeitergespräche ein Update: Sie wurden zum Beispiel mit Unternehmenswerten versehen und um Produktivitätsfragen erweitert.
Bauleitende und das Management sind nun regelmäßiger gemeinsam auf Baustellen, um Learnings mitzunehmen und den Perspektivwechsel sicherzustellen. Das Relevante und Spannendste für mich ist hinzugehen, hinzuhören und zu verstehen: Was beschäftigt die Menschen wirklich?
Ihr habt die Vier-Tage-Woche eingeführt, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken und für mehr Nachhaltigkeit. Wie habt ihr das gemacht?
Am Bau waren wir schon erprobt durch ein Kurzlangmodell: Drei Wochen Montag bis Donnerstag, dann eine Woche Montag bis Freitag. Für unsere Büroangestellten ist der Freitag weggefallen. Die Arbeitszeit wurde nicht gekürzt, sondern auf 4 Tage verteilt. Somit hat sich die Arbeitszeit pro Tag geringfügig erhöht und die Pausenzeiten sind bei den meisten Kolleg:innen kürzer.
Unsere Standorte sind am Freitag geschlossen. Dadurch entstehen weniger Stromkosten und weniger Fahrten. Baustellen sind, je nach Projekt, am Freitag geschlossen oder auch nicht. Manche sind sogar sechs Tage die Woche besetzt, dann kommt es zum Beispiel zu einer Rotation der Mitarbeitenden. Wir möchten damit mehr Flexibilität gewährleisten. Und die Mitarbeitenden haben mehr Zeit zur Erholung.
Gibt es erste Erfolge der 4-Tage-Woche?
Das waren die Ergebnisse zur 4-Tage-Woche:
- Das Personal erkennt die Vorteile für das Berufs- und Privatleben. Die Kommunikation der Umsetzung wurde sehr positiv gesehen.
- Die Mehrheit der Befragten findet die 4-Tage-Woche fair und gerecht.
- Einige Befragte entwickelten ein Verpflichtungsgefühl, HANDLER etwas zurückzugeben.
- Für manche ist es schwierig, in den 4 Tagen den beruflichen Verpflichtungen vollständig nachzukommen. Eine Minderheit berichtet von echter Erschöpfung.
Und das erfuhren wir über das Arbeitsklima seit der Umstellung:
- Generell ist die Identifikation mit der Firma hoch. Fast die Hälfte fühlt sich voll und ganz als Teil der Firma.
- Die meisten sind (sehr) zufrieden mit ihrem Job.
- Die Bewertung des Arbeitsklimas fällt gut aus. Wenn Angestellte Unterstützung brauchen, wird geholfen.
Wie würdest Du die Unternehmenskultur HANDLERs in wenigen Worten oder mit einem Bild beschreiben?
Meine Beschreibung wäre „hohe Eigenverantwortung und Spaß am Tun“. Packe ich das in ein Bild, sehe ich ein enges Miteinander: Jeder packt engagiert an – entscheidet aber selbst, wie.
Was tut ihr für die nötige Partnerschaftlichkeit?
- Die Zusammenkunft von Lehrlingen für verschiedene Trainings, etwa Persönlichkeitstrainings.
- Zusammenkunft von Polieren und Bauleitern zum Lernen und Austauschen: Ein Gipfeltreffen der Poliere auf den Baustellen, mehrfach im Jahr. Am „Schnittwoch“ (statt Mittwoch) treffen sich Bauleiter auf einer Baustelle und tauschen sich dazu aus.
- Interdisziplinäre Projekte, in denen unterschiedliche Berufsgruppen teilnehmen und gemeinsam an der Weiterentwicklung des Unternehmens arbeiten.
- Online durch die interne App „handler@work“, die als zentrales Bindeglied eingerichtet wurde. Oder den monatlichen Online-Newsflash, den man in einer Mediathek auch im Nachhinein ansehen kann.
Wie würdest du Eure Führungskultur beschreiben?
Unser Führungsstil fokussiert sich auf das Führen mit Zielen und Zahlen, um die Dinge besser zu verstehen und auf den Boden zu bringen. Für mich bedeutet Führung das Begleiten, Fordern und Fördern von Kollge:innen auf ihrem Weg zum Erfolg.
Wer oder was inspiriert Dich als Geschäftsführerin?




