Was wir jetzt brauchen: Robuste Zuversicht

Gastkommentar von Susanna Schaffer

Bitte nicht alles auf die Hoffnung setzen, das ist zu passiv. Besser sich auf die eigenen Stärken und die Möglichkeiten zur Veränderung fokussieren. Und das lässt sich lernen.

Hilft Schönreden oder sind emotionale Durchhalteparolen besser? Oder bleibt am Ende doch nur resigniertes Achselzucken? Die Ratlosigkeit in den Management-Etagen ist spürbar. „Hinterm Horizont geht‘s weiter“, heißt ein Song des deutschen Rockmusikers Udo Lindenberg. Wird wohl stimmen, aber leider ist derzeit der Blick zum Horizont durch dunkle Wolken verstellt. Eine Krise jagt die andere. Ein Umbruch folgt dem anderen.
Personalabbau, Kostensenkungsprogramme und Werksschließungen hat es immer schon gegeben, eine weltweite Finanzkrise auch. Und auch Deutschland war um die Jahrtausendwende schon mal „Der kranke Mann Europas“, also alles halb so schlimm. Oder ist es dieses Mal doch anders, schwankt der Boden doch stärker?

Leider ja. Krisen und Verwerfungen hat es immer schon gegeben, aber seit Monaten dröhnen Multikrisen auf uns los und machen vor Homeoffice- und Bürotüren keinen Halt mehr. Leadership Programme, Unternehmenswerte? Ja natürlich, aber jetzt wird es ernst und eng und es zählen andere Prioritäten. Was zählt: sharp, schnell, neu, anders. Die Verunsicherung ist spürbar, in den Kaffeeküchen und Chatgruppen bilden sich apokalyptische Circle und verstärken das Gefühl, dass da etwas Großes, Dunkles auf uns zukommt.

Chefs und Chefinnen verbreiten hoffnungsvolle Appelle, ohne damit wirklich durchzudringen. Trotz zahlloser Meetings und Calls entsteht ein Vakuum, das sich mit Rat- und Trostlosigkeit füllt.

In diese Rollen schlüpfen Führungskräfte:

• Die Zukunftsaktivisten entwerfen unermüdlich Szenarien, um alle Räume auszuleuchten und dort den richtigen Pfad zu finden.
• Die Durchtauchenden besinnen sich auf die Themen, die sie gut beherrschen und hoffen so Sicherheit zu geben.
• Die Appellierenden schlagen die Motivationstrommel, um die Stimmung hochzuhalten, können aber nur schwer verbergen, wie groß die eigene Resignation ist.
• Die Überflieger setzen auf Aktionismus und nehmen möglichst viele Dinge selbst in die Hand. Das vermittelt immerhin das Gefühl von Kontrolle, vor allem für den Aktionisten persönlich.

Und dann ist da noch das zuletzt so stark gepredigte Konzept der „Resilienz“. Doch das scheint zu kurz zu greifen, setzt es doch auf Widerstandsfähigkeit und Hoffnung, dass es bald besser wird. Doch Widerstand erhöht die Gefahr des Zerbrechens, und
Hoffen entspringt einer passiven Haltung.

Was wir stattdessen jetzt brauchen, ist robuste Zuversicht. Diese Zuversicht bezieht sich kognitiv aus der klaren Betrachtung der Situation und der Rahmenbedingungen und entwickelt daraus die Möglichkeiten der Veränderung. Und sie beruht emotional auf der Besinnung und dem Bewusstmachen der eigenen Fähigkeiten, Düsteres abwenden zu können. Und robust? Das bedeutet dranzubleiben, Rückschläge zu deuten und richtig einzuordnen. Bedeutet zu wissen, wie man Entwicklungen abwehren kann, aber auch zu wissen, wie man wieder aufstehen kann. Robust beinhaltet auch, Selbstzweifel zu benennen und dennoch durch Willensstärke einen nächsten Schritt gehen zu können.

Robuste Zuversicht entsteht nicht von allein. Aber es gibt Möglichkeiten, sie sich zu erwerben und zu praktizieren. Hier sind sieben hilfreiche Schritte dazu:

  1. Es beginnt – wie meistens – bei der Bewusstmachung: Wie habe ich schwierige Zeiten bisher in der Führungsarbeit gemeistert? Wohin schaue ich, über den Tellerrand oder in den Keller? Bin ich überzeugt, dass man nicht alles lösen, aber dennoch das Beste geben kann? Und lässt sich das auch an andere vermitteln? So beginnt Zuversicht.
  2. Leugnen nützt nichts. Besser zu akzeptieren, dass die Zeiten hart sind – ohne zu dramatisieren. Denn auch solche Phasen gehören zu Manager- und Unternehmenskarrieren. Die Perspektive entscheidet. Und trägt zur Robustheit bei.
  3. Keine heile Welt zeichnen. Besser: Konstruktive, sich selbsterfüllende Prophezeiungen nachvollziehbar kommunizieren.
  4. Nicht nur Ideen und Vorschläge können konstruktiv sein, sondern auch Sprache. Durch den Dauerbeschuss mit Negativnachrichten ist die Sensibilisierung hoch und es gibt eine große Sehnsucht nach konstruktiver Sprache ohne künstlichen Weichzeichner.
  5. Raus aus der eigenen Echokammer! Nie war der Austausch mit KollegInnen, gerade auch aus anderen Branchen, wertvoller als jetzt. Andere Blickwinkel und Erfahrungen können die „eigene Kerze anzünden“ und für Licht sorgen.
  6. Die Stopptaste nutzen, wenn sich das Gedanken- und Sorgen-Karussell nicht abstellen lässt. Jede zusätzliche Umdrehung geht auf Kosten der Zuversicht. Körperliche Bewegung oder die Begegnung mit Menschen aus ganz anderen Lebensbereichen haben sich hier bewährt.
  7. In Zeiten großer Unsicherheiten und Umbrüche ist das Erreichen von konkreten Ergebnissen nicht immer gegeben. Ziele sind wichtig, aber in manchen Phasen ist es wichtiger, dass die Richtung stimmt.

 

 

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