Culture Talks: Im Forsthofgut begegnen sich Mitarbeitende und Gäste auf Augenhöhe

Campus Forsthofgut

Ohne Zweifel gehört dies zum Faszinierendsten in unserem Businessleben: Wenn außergewöhnliche Führungspersönlichkeiten erzählen, wie sie ihre Unternehmenskultur verändern konnten. Ganz offen und ehrlich. Solche Blicke hinter die Kulissen führen zu tiefen Einsichten und Inspirationen. Damit auch unsere Community davon profitiert, starten wir die Interview-Reihe Culture Talks. Herr und Frau SchmuckWir legen los mit einem außergewöhnlichen Vordenker der Tourismusbranche. Unsere Gründerin Nicole Rimser sprach mit Mag. Christoph Schmuck, Hotelier des familiengeführten Naturhotel Forsthofgut in Leogang (Salzburger Land). Ihm und seiner Frau gelang es mit viel Mut und einem neuen Ansatz, die Kultur im Haus zu verändern – und damit in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.

„Bei uns begegnen sich Mitarbeitende und Gäste auf Augenhöhe“

Interview mit Mag. Christoph Schmuck, Hotelier Naturhotel Forsthofgut, Leogang, Salzburger Land

„Wir denken langfristig in Generationen und nicht in Perioden. Daher gehen wir die Dinge anders an.“


Herr Schmuck, ihr Hotel zählt zu den zehn besten in Österreich. Wie gelingt eine solche Leistung, trotz des Fachkräftemangels?

Das liegt wohl an unserer frühzeitigen Erkenntnis, dass wir als Arbeitgebender außerordentlich attraktiv sein müssen, um erfolgreich zu sein. Durchschnittlich zu sein, das reicht nicht mehr. Außerdem ist es aus meiner Sicht eine antiquierte Auffassung, dass der Gast als König zu betrachten ist. Im Forsthofgut begegnen sich Mitarbeitende und Gäste auf Augenhöhe. Gäste, die damit ein Problem haben, passen nicht zu uns. Auch wenn es nicht 1:1 messbar ist, ich bin überzeugt: Unsere Investitionen in unsere Mitarbeitenden wirken sich mittel- bis langfristig vorteilhaft für die Gäste aus. Wir arbeiten nicht nur daran, dass uns unsere Gäste weiterempfehlen – ebenso wollen wir, dass das unsere Mitarbeitenden tun.

Zum Jahreswechsel 23/24 haben Sie den „Team Forsthofgut Campus für Ihre Mitarbeitenden eröffnet. Was hat sie dazu bewegt, diesen zu gründen?

Das war eine Mischung aus Lust und Leid. Nach Corona hatte unser Betrieb schmerzhafte Probleme, wie die gesamte Branche: Wir litten an kurzen Aufenthalten der Gäste, einer hohen Fluktuation und kulturellen Schwierigkeiten. Der Arbeitgebermarkt wurde zum Mitarbeitermarkt. Wir erkannten, dass wir eine Lösung brauchen und dass der Mensch hierbei die wichtigste Rolle spielt.

„Wir waren mutig und haben rund 15 Millionen Euro investiert.“

Darum haben wir gemeinsam mit unseren Mitarbeitenden mit viel Freude unseren Teamgedanken definiert und auf dieser Grundlage den „Team Forsthofgut Campus“ aufgebaut. Wir waren mutig und haben rund 15 Millionen Euro investiert. Wir denken sehr langfristig, in Generationen und nicht in CEO-Perioden. Daher packen wir die Dinge anders an!

Was zeichnet den „Team Forsthofgut Campus“ aus?

Wir stärken damit unsere Unternehmenskultur. Er wirkt wie ein Fels in der Brandung in turbulenten Zeiten. Es ist ein Ort, der begeistert, an dem gestaltet wird und neue Ideen entstehen. Außerdem ist er ein Rückzugsort für unser wertvollstes Gut: unsere Mitarbeitenden. Optisch bietet er mit seinem urbanen Industrielook einen Kontrast zum Hotel.

Der „Team Forsthofgut Campus“ besteht aus fünf Säulen:

1. Education: Für jeden ist etwas dabei: Workshops, Coachings, Bildungsangebote, Mentoring-Programme oder die hoteleigene talentJourney und das traineeTable. Schmuck: „Ausbildung und Weiterentwicklung ist für unser gesamtes Team essenziell.“

2. Food: Mit Mitarbeitenden wurde ein Food-Konzept entwickelt. Drei Köche wurden zusätzlich eingestellt, die für das gesamte Team vier Mahlzeiten pro Tag kochen. Schmuck: „Die Qualität des Essens ist für die Mitarbeitenden dieselbe wie für die Gäste.“

3. Social: Verschiedene Gaming-Zonen erfüllen die Wünsche der Generation: Darts, DJ Pult, Wuzzler, Billard und ein Outdoor-Bereich. Schmuck: „Gemeinsam Zeit verbringen, das ist der Klebstoff für unser Team, der hier entstehen soll.“

4. Living: Neben 109 Gästezimmer gibt es 140 Personalzimmer mit Küche und Bad. Sie werden gegen einen geringen Betriebskostenanteil zur Verfügung gestellt. Schmuck: „Eine ordentliche Unterkunft für unsere Mitarbeitenden ist die Basis.“

5. Wellbeing: Im Campus gibt es Benefits wie ein Yoga Retreat. Alle Hotelbereiche dürfen die Mitarbeitenden ebenso nutzen, von Spa bis Fitness. Schmuck: „Geht es unseren Mitarbeitenden gut, geht es den Gästen gut.“

Aufenthaltsraum Campus Forsthofgut

Wie messen Sie Erfolge und Veränderungen, etwa ob sich die Zusammenarbeit verbessert?

Aktuell messen wir noch zu wenig. Aktuell entwickeln wir eine Stand-alone-Lösung mit Dashboard. Dazu entwickeln wir die passenden KPIs, sodass jede Abteilung tagesaktuell Ergebnisse bekommt, für die Weiterentwicklung und Zusammenarbeit. So sehen auch wir, die Familie Schmuck, wie es um die Unternehmenskultur steht. 

„Ich halte es für ungeschickt, wenn die Employer-Branding-Kommunikation auf der Gäste-Website stattfindet.“


In der Kommunikation trennen Sie zwischen Gast (
www.forsthofgut.at) und Mitarbeitende (www.teamforsthofgut.at). Warum?

Das war eine bewusste Entscheidung, denn es gibt große Unterschiede zwischen den Informationen, die potenzielle Gäste brauchen, und jenen, die für potenzielle Mitarbeitende wichtig sind. Ich halte es für ungeschickt, wenn die Employer-Branding-Kommunikation auf der Gäste-Website stattfindet.
Außerdem ist die Zielgruppe unserer Mitarbeitenden viel jünger als die der Gäste. Schon allein deshalb brauchen wir im Employer-Branding eine andere Ansprache.

Bemerken Sie schon erste Auswirkungen Ihrer Investitionen?

Ja, durchaus. Die Anzahl als auch die Qualität der Bewerbungen hat sich massiv gesteigert. Wir haben im Rennen um die besten Talente gute Chancen.

Wer inspiriert Sie und was ist Ihnen persönlich wichtig?

Ich erhalte viel Inspiration von Gästen und Mitarbeitenden. Persönlich ist mir ein gutes Stakeholdermanagement wichtig: Gut vernetzt zu sein mit unseren Lieferanten, mit dem Ort, den Banken, vor allem in meiner Rolle als Tourismus-Obmann. All unsere Stakeholder lernen unsere Werte kennen, das ist wesentlich für eine gute Zusammenarbeit. Ich finde es durchaus gut und richtig, dass Gäste sehen, was das Unternehmen für und mit seinen Mitarbeitern macht. Aus diesem Grund mache ich persönlich einmal in der Woche eine Campus-Führung für Gäste die in den letzten Wochen auf große Begeisterung gestoßen ist.

Was bedeutet für Sie Führung?

Führung bedeutet, klare Rollen zu haben. Meine Frau und ich haben diese sehr gut aufgeteilt. Ein Hotel braucht eine weibliche Prägung und die bringt meine Frau ins Haus: Herzlichkeit und Emotion. Ich hingegen bin der Zurückhaltende und Sachliche.

Aufenthalt Campus

Blicken wir in die Zukunft: Wie wird diese aussehen für Ihr Hotel und Ihre Branche? 

„Höher, schneller, weiter“ – davon sind wir weg, als Betrieb und als Destination. Generell ist ein Umdenken im Tourismus nötig. Heute geht es darum, smarter und bewusster zu handeln. Den Erfolg anhand von Nächtigungen zu bewerten, ist gestrig. Zum Vergleich: Welcher Produktionsbetrieb bezieht sich heute noch auf die produzierte Stückzahl?

Ein sehr großes Anliegen ist für uns im Forsthofgut der Aufbau sozialer Verbindungen, das Führen interessanter Gespräche, das Gestalten bedeutsamer Momente. Auch auf Reisen wollen die Menschen Neues lernen, den Wunsch wollen wir erfüllen. 

Welche Rolle spielt die Künstliche Intelligenz in Ihrem Haus?

Wir treiben mit KI unseren 1:1-Anspruch – dass sich Mitarbeitende und Gäste auf Augenhöhe begegnen – voran. Wir setzen sie ein, um alle notwendigen Infos zu bekommen, die wir dafür brauchen.

Je digitaler man im „Back of House“ ist, desto besser funktioniert der analoge Kontakt mit den Gästen. Darum wollen wir im Hintergrund so digital wie möglich sein und setzen dazu auch KI ein: Um vorne, bei den Gästen, zu glänzen. 

Wie würden Sie Ihre Unternehmenskultur in wenigen Worten ausdrücken?

Wir begeistern und bereichern Menschen. Das soll jeder spüren!

Das Naturhotel Forsthofgut in Kürze:

Seit 400 Jahren ist das der familiengeführte Forsthofgut in Leogang im Salzburger Land verwurzelt. ist Die Familie Schmuck ist seit fünf Generationen hier zu Hause und hat 365 Tage pro Jahr für ihre Gäste geöffnet: 109 Zimmer, 5.700 m2 WaldSpa.

Sie haben Fragen zum Thema Employer Branding in Ihrem Unternehmen?
Schreiben Sie uns! 

 

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